Kein Waldspaziergang möglich – Gefahr durch vergangene Sturmschäden

Die Energie- und Klima-Allianz-Forchheim e.V. sieht gerade in der in weiten Teilen der Öffentlichkeit vorherrschenden Meinung, die Klimaverschlechterungen seien in erster Linie ein globales Problem und daher auch auf der globalen Ebene, sprich Vereinte Nationen, Europäische Union, Bundesregierung etc., zu lösen, ein schwerwiegendes und folgenreiches Missverständnis.

Während eine internationale, grenzüberschreitende Zusammenarbeit natürlich unerlässlich ist, auch weil die Klimaverschlechterungen grenzüberschreitend sind, birgt dieses schwerwiegende Missverständnis von Ursachen und Handlungsoptionen inzwischen eminent große Gefahren für uns alle, auch im Landkreis Forchheim.

Wir konnten in diesem Sommer 2018, der im April begann und erst ca. Mitte Oktober endete, vor der eigenen Haustür erleben, was anhaltend hohe, sommerliche Temperaturen gepaart mit einer Halbierung der Niederschlagsmenge sowie lokale heftige Unwetter bei uns anrichten:

  • Starkregen mit vielen nassen Kellern in Heroldsbach / Hausen im Juli
  • Wassermangel bis hin zu Gieß-und Auto-Wasch-Verbot u.a. in Hetzles
  • Hitzeschäden, z.B. an neuen Straßen in Pinzberg
  • Dürreschäden im gesamten Landkreis
  • Sturmschäden im September
  • Rohrbrüche in Wasserleitungen in Igensdorf aufgrund des ausgetrockneten Untergrundes

Das Klimaabkommen von Paris, dieser unverbindliche, nicht einklagbare und bereits jetzt auf taube Ohren stoßende, am Earth Day 2016 unterzeichnete Vertrag (Fakten, die wohl die wenigsten Menschen verstanden haben), muss von einem reinen „Papiertiger“ in die faktische Umsetzung gebracht werden. (Die Pariser Klimaziele sind rechtlich nicht bindend; die Regierungen müssen den UN lediglich nationale Klimapläne vorlegen, die unter anderem das Ausmaß ihrer Emissionen und Fortschritte bei der Erreichung der Ziele enthalten, und diese Pläne auch alle fünf Jahre aktualisieren.) Hinzukommt, und das haben Experten direkt nach Paris angemahnt, dass das Abkommen keinesfalls für ein 2°C-Ziel ausreichend ist, sondern viel eher auf eine 3,0-3,8°C Erwärmung hinausläuft. Diese Erwärmung wird auch nicht erst in weit entfernten Jahrhunderten stattfinden, sondern 1,5 °C werden aller Wahrscheinlichkeit nach bereits 2040 erreicht, und alles Weitere hängt von den „Nebenwirkungen“ einer solchen Erwärmung, d.h. von den evtl. eintretenden Kipppunkten und deren Auswirkungen, ab. Unsere Kinder, spätestens aber unsere Enkel, werden von den Folgen massiv betroffen sein, auch  hier im Landkreis Forchheim.

In einem Artikel aus dem New York Times Magazine vom 1.8.18 wird der Klimawissenschaftler James Hansen zitiert, der eine zwei-Grad-Erwärmung „ein Rezept für ein langfristig einsetzendes Desaster“ nennt. Das langfristige Desaster ist nach seinen Worten nun das bestmögliche Szenario. Eine drei-Grad-Erwärmung ist, so Hansen, ein Rezept für ein kurzfristig einsetzendes Desaster: Wälder in der Arktis und der Verlust der meisten Küstenstädte. Robert Watson, ein früherer Direktor des IPCC (Weltklimarat) ist der Meinung, dass eine drei-Grad-Erwärmung das realistische Minimum ist. Vier Grad: Europa in einer Dauerdürre, große Teile Chinas, Indiens und Bangladesch in Wüsten verwandelt, Polynesien vom Meer verschlungen, der Colorado River zu einem Rinnsal getrocknet, der Südwesten Amerikas größtenteils unbewohnbar. Eine fünf-Grad-Erwärmung, so warnen einige der führenden Klimaforscher der Welt, wäre das Ende der menschlichen Zivilisation.

Lokal übersehen wird wegen des globalen Ausmaßes der drohenden Klimakatastrophe, dass es nicht reicht, wenn (hoffentlich bald) die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Um das 1,5°C-Ziel (mit einer Wahrscheinlichkeit von leider nur noch 1:20) zu erreichen, müssen wir spätestens ab 2020 und ab dann innerhalb von 15 Jahren weltweit den CO2-Ausstoß komplett auf 0 senken, für das 2°C-Ziel haben wir 20 Jahre Zeit. In dieser Zeit müsste auch unsere Industrie komplett umgebaut werden.

Dies erfordert die Mitwirkung bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auf allen Ebenen, d.h. auch auf der lokalen Ebene, in den Kommunen, Städten und Landkreisen sowie jedes einzelnen Bürgers. Betrachtet man den sog. CO2-Fußabdruck eines durchschnittlichen Deutschen, so zeigt sich, dass jeder Einzelne weitreichende Möglichkeiten besitzt, sich am Klimaschutz direkt zu beteiligen. Sowohl im  alltäglichen Handeln in Bereichen wie Konsum, Verkehr und Ernährung, als auch in mittel- bis langfristigen Entscheidungen wie der Wahl der privaten Heizung oder des Stromanbieters steckt ein erhebliches Potential zur Reduktion des persönlichen CO2-Ausstoßes. Dies erfordert aber die Aufklärung der Bevölkerung und ganz andere Rahmenbedingungen, als wir sie derzeit haben. Unsere derzeitigen Rahmenbedingungen sind derart kompliziert, dass Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen schlicht damit überfordert sind und das nötige Personal bzw. die dafür notwendige Zeit nicht zur Verfügung haben, bzw. es sich nach unserem derzeitigen vorrangig wirtschaftlichen Verständnis schlicht nicht rechnet.

Eminent dringendes Handeln wird dadurch unmöglich gemacht.

Aktuell fordert der Bundesrat (26.10.2018) bei der Umsetzung der Energiewende eine verstärkte Einbeziehung der Städte. Das urbane Stromerzeugungs- und Flexibilisierungspotenzial sollte besser genutzt und Hürden zur Förderung Erneuerbarer Energien abgebaut werden. Mehr Solaranlagen auf die Gebäudedächer der Städte, Mieterstrom vereinfachen und die Mieterstrom-Beschränkung auf 100 kWp aufheben, alle Potenziale besser nutzen und parallel unsinnige Begrenzungen aufheben – in dieser Entschließung forderte der Bundesrat ganz aktuell die Bundesregierung auf, die urbanen Zentren in die Energiewende stärker mit einzubeziehen. Das sei im Interesse des Klimaschutzes und zur Erreichung der europäischen, nationalen und regionalen Erneuerbare-Energien-Ausbauziele erforderlich, heißt es in der Begründung, und nur so könne „eine bisher vorrangig auf die Stromerzeugung fokussierte Energiewende eine Energiewende in allen Sektoren werden, ohne das Stromübertragungsnetz zusätzlich zu belasten.“

Wir brauchen eine komplette Stromwende (derzeit ca. 35 % erneuerbar in Deutschland), wir brauchen eine komplette Wärmewende (Dämmung und Heizungsaustausch) und wir brauchen eine komplette Verkehrswende. Auch die Industrie muss umgestellt werden. Wie sollen wir das schaffen, wenn wir nicht die Kommunen, die Bevölkerung und alle in diesen Prozess integrieren?

Die Energie- und Klima-Allianz Forchheim e.V. hat im Juli bereits bei der Bürgermeisterdienstbesprechung in einem kurzen Vortrag die Hintergründe umrissen und einige Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Der Landkreis verfügt außerdem seit einigen Jahren über einen (1) Klimaschutzmanager, der entsprechende Maßnahmen anzustoßen und zu koordinieren versucht. Allerdings kann ein (1) Klimaschutzmanager für den gesamten Landkreis und alle Kommunen diese Herkulesaufgabe keinesfalls alleine stemmen.

Die Energie- und Klima-Allianz Forchheim e.V. hat daher nun begonnen, Einzelgespräche mit Bürgermeistern zu führen, um Kooperations- und Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten (z.B. am 30.10.18 mit Dr. Uwe Kirschstein). Sie steht in regelmäßigem Kontakt mit Landrat Dr. Hermann Ulm.

Sie hat vor wenigen Tagen die Mitglieder des Kreistages angeschrieben und abgefragt, wer Interesse an einem thematischen Austausch ab Beginn des neuen Jahres hätte. Der Antwortrücklauf ist noch nicht abgeschlossen.

Sie hat sich zudem seit ihrer Gründung vor zwei Jahren mit dem Forum1Punkt5 vernetzt, das von der Universität Bayreuth initiiert wurde und das Wege aus den vielfältigen Krisen sowie Partner hierfür sucht, und zwar ebenfalls lokal im weiteren Bereich Bayreuth/Fränkische Schweiz.

Das Thema Klima ist somit keinesfalls nur ein globales Thema, sondern ein immer größer werdendes lokales Problem.

 

Bericht zum Thema im Fränkischen Tag:

 

Klimakrise – ein globales oder AUCH ein lokales Thema?