Mit gut 40 Aktiven und Interessierten war der Vernetzungsabend zu „Forchheim wandelt sich“ am 29. Januar im Don Bosco Stüberl in Forchheim gut besucht. Die Veranstalter, Energie- und Klima-Allianz Forchheim, Katholische Erwachsenenbildung Forchheim sowie die junge Initiative „Transition Forchheim“, hatten neben örtlichen Gruppierungen auch „Zukunft Gößweinstein“ und „Bluepingu Fürth“ für einen Input und Ideen von „Außen“ eingeladen.

Nach Begrüßung durch Klara Günther, der Koordinatorin von „Transition Forchheim“, berichtete Dr.med. Klaus-Dieter Preis vom Verein „Zukunft Gößweinstein“ und den dortigen Entwicklungen, auch im Zusammenhang mit der neu gegründeten „Öko-Modelleregion Fränkische Schweiz“. „Nicht wenige Landwirte in der Fränkischen Schweiz führen bereits Biobetriebe oder arbeiten gezielt regional und tierverträglich“, so Preis. Im Rahmen der beiden letztjährigen Gößweinsteiner Veranstaltungen wurden neue Erzeuger-Verbraucher-Kontakte geknüpft und den Projektmanagern der Ökomodellregion konnten wichtige strukturelle Anforderungen mitgegeben werden, wie z.B. ein Getreidelager, die Förderung der Silphiepflanze (als Ersatz für den bodenschädigenden Maisanbau) sowie die Idee einer mobilen Schlachterei. Preis weiter: „Viele Menschen haben den Wunsch, über die Landwirtschaft hinaus eine zukunftsfähige, lebens- und enkelfreundliche Entwicklung der Fränkischen Schweiz zu erreichen“. Interessierte sind zu einer weiteren Veranstaltung am 27. Februar, 19 Uhr in den Gasthof „Zur guten Einkehr“ in Morschreuth eingeladen.

Simon Rebitzer, Klimaschutzmanager des Landkreises Erlangen-Höchstadt, berichtete dann von Bluepingu Fürth und Nürnberg, einer in Nürnberg bereits seit vielen Jahren bestehende Transition-Initiative, die seit 2018 nun auch in Fürth aktiv ist. Eines der Projekte ist „SDGs go local“. Ziel ist es, die SDGs, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, „auf die Straße“, d.h. ganz konkret unter die Menschen zu bringen. Hierzu gibt es Modellprojekte in St. Johannis, Nürnberg, und in der Fürther Südstadt. Daneben gibt es die AG Mobilität (die den Radentscheid unterstützt und einen Lastenradverleih im Quartier aufbaut) und eine AG Gemeinschaftsorte (ein Stadtgartenprojekt). In Planung befindet sich das Zero Waste Festival Fürth. Gefördert wird Bluepingu inzwischen vom Umweltbundesamt und einer Nürnberger Stiftung, so dass die Aktivitäten nicht nur ehrenamtlich gestemmt werden müssen, sondern mit fünf bezahlten Stellen vergeben werden können.

Wenige Tage nach ihrer eigenen Auftaktveranstaltung in Ebermannstadt war auch Steffi Angerstein vom Vorstand der neu gegründeten Solawi (Solidarische Landwirtschaft) bei „Forchheim wandelt sich“. „Gemeinschaftlich und vor Ort unser Gemüse anbauen, das möchte die Solawi Ebermannstadt e. V.“, so Angerstein. „Nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit beginnt der Anbau im März 2020. Einen ganz konkreten und aktiven Beitrag hier vor Ort wollen wir leisten, mit dem wir Transport und Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden, Verpackung unnötig machen, selbst wieder erleben, wie gefährlich ein Salatkopf lebt, bis er endlich gegessen werden kann! Das Ernterisiko, das durch die Witterungsbedingungen oder Reh und Hase entsteht, teilt sich die Gemeinschaft. Der Anbau wird durch einen festen Monatsbeitrag finanziert. Vertrauen ist die Basis beim Abholen der Ernte einmal in der Woche.“ Weitere Infos gibt es auf der Webseite der Solawi Ebs unter https://www.solawi-ebermannstadt.de/.

Christina Lenzen stellte das Reparatur-Café vor, das, initiiert von der NATURSTROM AG und dem Landratsamt, seit mehreren Jahren in Forchheim viermal im Jahr im Packmer´s stattfindet. Ab diesem Jahr wird das Projekt erweitert und es wird sechs zusätzliche Samstags-Termine im Pfarramt der katholischen Kirchengemeinde Verklärung Christi geben. Lenzen vom Organisationsteam sagt: „Die Nachfrage am Reparatur-Café ist groß. Es kommen immer sehr viele Menschen zu uns, die alte Gegenstände reparieren lassen möchten. Für die zusätzlichen Termine brauchen wir deshalb dringend noch weitere Reparierer und Repariererinnen.“ Gesucht werden vor allem ElektronikerInnen, ElektrikerInnen, MechanikerInnen aber auch SchneiderInnen oder Männer/Frauen mit handwerklichem Geschick. Interessierte können sich unter transition-forchheim@posteo.de melden. Die nächsten Reparatur-Café-Termine sind am 8.2. bei Verklärung Christi und am 10.3. im Packmer´s, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Eine weitere Initiative, die in vielen Städten und Kommunen im Rahmen von „Wandel“-Bewegungen entsteht, nämlich ein Stadtgarten, gibt es in Forchheim völlig unabhängig von „Transition“ schon seit 2015. Bewirtschaftet werden 25 Hochbeete auf der „Roten Mauer“ zwischen Amtsgericht und Martinschule. „Alle Entscheidungen zum Anbau werden gemeinsam getroffen. Angebaut werden Gemüse, Kräuter und Blumen, selbstverständlich ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden oder Mineraldüngern“, so Ulrike Eichler vom Vorstand. „Die Gärtner*innen treffen sich von Frühjahr bis Herbst einmal wöchentlich im Garten, um die anfallenden Arbeiten in den Hochbeeten zu erledigen. Daneben gibt es jeden Tag einen „Gießdienst“, denn ohne Bewässerung funktioniert der Anbau nicht.“ Und Eichler ergänzt: „Frische Luft, Natur in der Stadt und etwas Sinnvolles mit den eigenen Händen machen, dazu nette Menschen – gibt es eine bessere Abwechslung zum oft stressigen Alltag?“ Träger dieses Projektes ist der Förderverein Forchheimer Bastionsgärten e.V., der bereits seit 2001 den Heilkräuter- und Rosengarten auf der Dernbachbastion pflegt. Die Stadtgärtner*innen sind über Email (info@stadtgarten-forchheim.de) oder facebook zu erreichen.

Drei weitere neue Projekte in Forchheim wurden von Katinka Uebel vorgestellt. Nach dem Vorbild von Kassel und Andernach sowie der Ewilpa (Eßbarer Wildpark von Dr. Markus Strauß in der Nähe von Bayreuth) gibt es eine Gruppe, die sich in Forchheim mit der Idee zu einer „Essbaren Stadt“ beschäftigt. Das Ideenspektrum reicht von Baumpatenschaften über einen Gemeinschaftsacker bis hin zu Beeten oder Hochbeeten für die Allgemeinheit oder der Idee, im Stadtpark an geeigneten Stellen Wildobst zu pflanzen. Hierzu hat letztes Jahr im Herbst eine Begehung von Transition-Mitgliedern zur Bestandsaufnahme und der Suche nach geeigneten Flächen entlang der Bastionsmauer stattgefunden. Demnächst soll ein detailliertes Konzept erarbeitet werden, das der Stadt und dem Gartenbauamt vorgelegt werden kann, denn, so Katinka Uebel, „der Stadtpark hat sein Potential noch nicht ausgeschöpft“.

Eine andere Gruppe beschäftigt sich mit „Tauschen und Verschenken“. In Kooperation mit dem Bürgerzentrum / Mehrgenerationenhaus unter Leitung von Frau Reif soll es zu dem bereits bestehenden Verschenkbasar, der seit vielen Jahren einmal im Herbst stattfindet, ein zusätzlicher Termin im März geben. „Abhängig von der Nachfrage könnte der Basar auch öfter stattfinden. Wir denken auch an einen Umsonstladen“, so Katinka Uebel. „Wir wollen vorhandene Angebote, wie z.B. den Rot-Kreuz-Kleiderladen, den AWO-Bücherbasar und die Tauschbörse des LRA ergänzen, die Kräfte bündeln, zusammenarbeiten und vernetzen.“

Auf Ideen und Verstärkung hofft, lt. Uebel, derweil noch eine dritte Gruppe, die Lebensmittel retten und damit z.B. gemeinsam kochen möchte. Die logistische Herausforderung hier ist derzeit noch recht groß und bisher unbewältigt.

Zum Abschluss berichtete Emmerich Huber, Vorstandsmitglied der Bürger-für-Bürger Energie eG, vom angedachten Carsharing in Forchheim. Die Organisation könnte als Untergruppe des seit vielen Jahren bestehenden Carsharing in Bamberg organisiert und über die Buchungsplattform Flinkster (Plattform der Deutschen Bahn) betrieben werden. Angedacht ist, mit zwei Elektroautos zu beginnen. Dazu wären ca. 50 ernsthaft Interessierte in Forchheim nötig – das ist die Voraussetzung dafür, dass die Finanzierung gesichert ist. Bisher haben sich bereits 11 Interessenten gemeldet. Das Potential wäre in Forchheim also mit mehr Werbung wahrscheinlich vorhanden. Was fehlt, so Emmerich Huber, sei bisher das Kooperationsangebot von Stadt und Stadtwerke Forchheim: „Wir von der BfB-Energie bieten seit fast 3 Jahren an, Carsharing in Forchheim mit Elektroautos zu starten, das Interesse von Bürgern ist groß, aber es kommt kein Feedback, weder von den Stadtwerken, noch von der Stadtspitze. Wir wissen nicht, wo es hakt.“

Dabei kann Carsharing eine umweltfreundliche Alternative sein, gerade für Bürger ohne eigenes Auto. „Es ist höchste Zeit für diese Dienstleistung, die Idee, Autos zu teilen – Elektroautos fahren sich leicht und eher defensiv – Als Teil eines neuen Verkehrskonzepts zusammen mit ÖPNV sind sie ideal– Der Verzicht auf das eigene Auto ist leicht(er), wenn man im Notfall, z.B. für Transporte, auf ein Auto zugreifen kann – ohne kommerziellen Vermieter“, so Stimmen aus einer der Informationsveranstaltungen zu den Möglichkeiten von Carsharing in Forchheim.

Weitere Gäste des Abends berichteten z.B. vom Tiny House Projekt in Stein bei Nürnberg und vom integrativen gemeinsamen Gärtnern in Langensendelbach (MiLa = Miteinander Landwirtschaft).

Die Veranstalter waren begeistert vom Zuspruch und dem Interesse der Besucher und hoffen auf ein Wachsen der „Wandelbewegung“ in Stadt und Landkreis Forchheim. „Viele Menschen sehnen sich danach, wieder im Einklang mit ihrer Umwelt zu leben. Das ist spürbar in den vielen Initiativen, ob bei „Zukunft Gößweinstein“, Bluepingu, der weltweiten Transitionbewegung oder auch ganz in der Nähe, beim stetig wachsenden „Forum 1.5“ an der Universität Bayreuth. Und auch in Forchheim gibt es viele Menschen, denen ein nachhaltiger Umgang mit unserem Planeten und seinen Grenzen am Herzen liegt“, so Barbara Cunningham von der Energie- und Klima-Allianz Forchheim.

Vernetzungstreffen – Forchheim wandelt sich