Seit zwei Jahren stirbt sichtbar unser Wald, unsere grüne Lunge, unser Naherholungsraum, unser Holzlieferant, unser CO2-Speicher, unser Klimafaktor. Es sterben auch unsere Stadtbäume. Sie sterben an den Folgen von Hitze und Trockenheit, verursacht durch die Klimakrise, die trotz allem immer noch harmlos „Klimawandel“ genannt wird.

Mit welcher Wucht dies passiert und dass dies kein langsamer, allmählicher „Wandel“ ist, konnte man in diesen letzten beiden Jahren gut erkennen. Trotz derzeitigem Dauerregen meldet das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung auch heute wieder immer noch viel zu trockene Böden in der Tiefe; nur die obersten 25 cm sind gut durchfeuchtet. Dies nutzt Baumwurzeln allerdings nur bedingt.

Die Klimakrise ist jedoch kein unversehens über uns hereinbrechendes Schicksal, sie hat eine Ursache: Wir decken unseren stetig wachsenden Energiebedarf, bei Strom, Verkehr und Wärme, nach wie vor durch die Verbrennung von Kohle, Öl, Benzin und Gas und treiben so u.a. das Waldsterben selbst jeden Tag aktiv ein Stück weiter voran. Das machen wir, obwohl wir es seit Jahrzehnten besser wissen.

In dem Versuch, den Wald an das neue Klima „anzupassen“, pflanzen wir nun Arten, die die neue Situation besser überstehen sollen. Ob diese mediterranen Arten bei uns gedeihen, wird sich erst noch herausstellen. Wir brauchen für einen solchen Waldumbau eine Menge Setzlingen– nicht nur hier –, um die Lücken zu füllen. Wo kommen sie her? Wir brauchen ausreichend Personal, das pflanzt und sich dann in den nächsten heißen Sommern kümmert. Haben wir das? Und was geschieht mit den an unseren ursprünglichen Wald angepassten Arten? Dies alles sind ziemlich abrupte und harte Eingriffe in ein seit Jahrhunderten und Jahrtausenden eingespieltes und in der Vergangenheit gut funktionierendes Ökosystem.

Statt überall nur an den Symptomen der Krise herumzudoktern, könnten wir endlich und ganz einfach das Problem an der Wurzel packen: Wir müssen unsere Energieversorgung umstellen, sie CO2-frei machen. Wir müssen den Ausbau von Erneuerbarer Energie massiv voranzutreiben und die vielen leeren Dächer auf Eigenheimen, städtischen Gebäuden und riesigen Industriehallen mit Photovoltaik belegen. Und Windkraftanlagen errichten. Sie sind für ein Gelingen der Energiewende unabdingbar. Doch dafür – so hört man – ist unser Landkreis zu schön und es würde den Tourismus beeinträchtigen. Das große wirtschaftliche Potential der Energiewende – kein Thema hier.

Nun stirbt also der Wald. Und mit ihm gleich auch das zugehörige Ökosystem. Ob das dann schön aussehen wird, darf wohl bezweifelt werden.